Auf nach Narnia!


Unser derzeit intensivstes Projekt ist die Arbeit an einem neuen Film zum Thema Integration und Ankommen in Deutschland. Nach der Konzeptionsphase, die zusammen mit Geflüchteten und Deutschen aus Bad Belzig und Kuhlowitz durchgeführt wurde, stehen nun die Dreharbeiten und zahlreiche Interviewtermine an. Vor kurzem haben wir uns für den Dreh den Weg zeigen lassen, den die Bewohner der Unterkunft in Kuhlowitz zurücklegen, um den Bahnhof, die Deutschkurse oder die Einkaufsmöglichkeiten in Bad Belzig zu erreichen.

In Begleitung der Kamera liefen wir also in einer kleinen Gruppe los. Die letzten Sonnenstrahlen eines warmen Frühlingstages während eines Spaziergang zu genießen, war fast schon idyllisch. Da die Geflüchteten uns aber sagten, dass dieser Weg tatsächlich die einzige Möglichkeit ist, Bad Belzig zu Fuß zu erreichen, lag unser Augenmerk doch auf der Beschaffenheit der Strecke. Bei genauerer Betrachtung hatte das Idyll nicht mehr lange Bestand.

Das erste Stück des Weges führte uns eine geteerte, mit hohen Bäumen gesäumte Straße entlang. Hier fiel bereits auf, dass nicht eine einzige Laterne zu finden war, die des Nachts den Weg hätte erhellen können. Nach kurzer Zeit ging die Straße in einen Feldweg über, der schließlich zu einem kleinen Kiesweg wurde, dem man einen kleinen Abhang hinunter folgen musste. Unten angekommen standen wir vor einer Umgehungsstraße, die nun ohne sicheren Fußgängerüberweg überquert werden musste. Von dort folgten wir einem schmalen Waldweg, der durch einen unbeleuchteten Tunnel führte. Eine halbe Stunde, nachdem wir losgegangen waren, hatten wir schließlich Bad Belzig erreicht, aber erst wenig mehr als die Hälfte des Weges zum Bahnhof zurückgelegt.

Dieser Weg trennt die Geflüchteten in Kuhlowitz von den Möglichkeiten, die es in Bad Belzig gibt. Er ist für viele insbesondere im Winter beschwerlich, weil er dann noch öfter im Dunkeln zurückgelegt werden muss und Matsch und Eisglätte ihn rutschig werden lassen. Die räumliche Trennung ist so spürbar, dass einer der Geflüchteten den Weg von Kuhlowitz nach Bad Belzig den „Narnia-Weg“ nennt, da er ein Tor zu einer anderen Welt sei, wie der Schrank im Film „Die Chroniken von Narnia“.

Der Weg zur Arbeit oder zum Deutschunterricht ist nur ein kleiner Teil des Weges in die deutsche Gesellschaft. Im Austausch mit Geflüchteten im Raum Bad Belzig stoßen wir immer wieder auf weitere Faktoren, die für den Erfolg von Integrationsbemühungen relevant sind und einige davon werden Eingang in den Film finden. Wir selbst sind schon sehr gespannt auf das Ergebnis!

Falls auch du Lust hast, bei unserem Filmprojekt mitzuwirken, dann melde dich gerne bei unserer Projektleiterin Julia Baumann unter kontakt@ibbis.de!

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