Read now! Books for refugees – Geschichten als Türen zu einer fremden Sprache

„Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt“
Arabisches Sprichwort

 

 

Mit Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ auf einem abenteuerlichen Roadtrip zu erleben, dass – ganz im Gegensatz zu dem, wie es in manchen Medienberichterstattungen erscheinen mag - in den meisten Menschen eigentlich ziemlich viel Gutes steckt; der Realität vieler Geflüchteter ein bisschen näher zu kommen, indem man sich beim Lesen von Kirsten Boies „Bestimmt wird alles gut“ in Rahafs und Hassans Fluchtgeschichte vertieft; mit Magueritte und Germain im „Labyrinth der Wörter“ gemeinsam über den Zusammenhang von Glück und Wissen und die Kraft der Bücher zu philosophieren; oder während einer rasanten Verfolgungsjagd quer durch Berlin mit Erich Kästners Nachwuchsdetektiv Emil alles um sich herum vergessen – Jean Paul brachte es einst auf den Punkt: „Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne“.

Überall auf der Welt tauchen Leserinnen und Leser immer wieder in völlig fremde Welten ab, vergessen die Zeit über spannenden und bewegenden Büchern oder lernen bislang unbekannte Perspektiven kennen. Bücher können Anstoß zu völlig neuen Ideen und neuen Stufen der Reflexion sein – und sie sind ein nahezu unersetzliches Werkzeug zum Erlernen und Begreifen einer fremden Sprache.

Bücher können also ein perfekter Weg für Geflüchtete sein, der deutschen Sprache näher zu kommen, und gleichzeitig ist das Lesen ein bereichernder Zeitvertreib im Heim-Alltag. Jedoch können zu schwer geschriebene und das aktuelle Sprachniveau eines Lesenden übersteigende Bücher so schnell die Motivation einer Leserin oder eines Lesers zunichtemachen, wie das richtige Buch die Lust aufs Lesen und Lernen beflügeln kann. Eine Geschichte zu lesen, statt trocken Vokabeln aus einem Lehrbuch zu pauken, kann sehr viel nachhaltiger beim Spracherwerb sein. Es ist nicht wichtig, dass jedes einzelne Wort verstanden wird, auch muss der Lesefluss nicht zwangsläufig durch ständiges Wörter-Nachschlagen unterbrochen werden – solange dem roten Faden der Handlung gefolgt werden kann, kann eine solche Lektüre fesselnd sein und Worte, Satzbau und Grammatik fast schon nebenbei verinnerlicht werden. Und von dem Erfolgserlebnis ein ganzes Buch in einer fremden Sprache bewältigt zu haben, ganz zu schweigen.

Doch woher passende Bücher nehmen? Die Dichte an und Erreichbarkeit von Bibliotheken im ländlichen Raum ist generell niedrig, die Möglichkeiten für die Geflüchteten im Raum Bad Belzig und Kuhlowitz an ein Buch zu kommen, sind also schon von Vornherein sehr eingeschränkt. Und dann noch auf ein Buch zu stoßen, dass keine sprachlich unüberwindbare Hürde darstellt, ist eine noch viel größere Herausforderung. Das muss sich doch ändern lassen, sagten wir uns, und die Idee für ein neues IBBIS-Projekt war geboren!

Zunächst versuchten wir passende Bücher zu finden. Die Bücher sollten einerseits die ganze Bandbreite des Geschmacks der Heimbewohner abdecken, und andererseits nach Möglichkeit eigens für das Erlernen der deutschen Sprache verfasst oder aufbereitet worden sein. Texte, die in sogenannter Einfacher Sprache geschrieben sind, bestehen aus kurzen Sätzen mit jeweils nur einer Aussage, es werden einfache Worte benutzt, also auf Fachtermini, Fremdwörter, bildliche Sprache und Redewendungen verzichtet. Konjunktiv-, Genitiv- und Passiv-Formulierungen werden umgangen. Auch optisch werden die Leserinnen und Leser unterstützt: Lange Worte werden beispielsweise mit Bindestrichen zum leichteren Erlesen getrennt, lange Texte mit vielen Absätzen versehen und der Inhalt oft durch erklärende Bilder zusätzlich visuell aufbereitet. Bei Büchern, die bereits existieren, werden die Texte derart umgeschrieben, dass es leichter ist sie zu verstehen. Sinn und Inhalt bleiben dabei natürlich der gleiche wie im Original.

Gesagt, getan – schnell war eine Liste mit über 70 Büchern erstellt und nachdem der Landkreis Potsdam-Mittelmark sich dankenswerterweise bereiterklärt hatte, den Start unseres Projektes zu finanzieren, stand uns nichts mehr im Wege.

Schon bald hielten wir die Ausgaben tatsächlich in unseren Händen. Nun mussten geeignete Orte in den Unterkünften der Geflüchteten gefunden sowie ein praktikables und nicht zu kompliziertes Ausleihsystem erdacht werden. Inzwischen haben wir es geschafft: Der Grundstein ist gelegt und der erste Schwung Bücher auf die Heime verteilt. Alle Menschen, die dort wohnen, können nun nach Herzenslust, wie in einer richtigen Bibliothek, das Buch ihrer Wahl ausleihen. Doch dabei soll es nicht bleiben: Wir werden uns bemühen die Bibliotheken immer weiter aufzustocken und mit neuen Büchern für alle Altersstufen, Geschmäcker und Sprachniveaus zu füllen.

Ihr möchtet euch für das Bücher-Projekt engagieren? Habt ihr ein Buch zu Hause – ganz besonders gerne ein Kinderbuch, davon gibt es bislang noch sehr wenige -, welches ihr gerne für die Heim-Bibliothek zur Verfügung stellen mögt? Oder möchtet ihr durch eine finanzielle Spende ein bestimmtes Buch von uns für die Bibliothek besorgen lassen? Schreibt uns! Wir freuen uns, von euch zu hören!

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