IBBIS bei der Podiumsdiskussion „Hass und Raum“

May 31, 2017

Am 18. Mai gab es im Theaterdiscounter eine Aufführung der Revue „La Haine“ (auf deutsch: „Die Hassrede“) des Musiktheaterkollektivs „glanz&krawall“ mit einer anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Hass und Raum“, bei der IBBIS durch unsere Aktivistin Julia Baumann im anschließenden Gespräch vertreten war.

 

Podiumsdiskussion "Hass und Raum": Kerstin Reichelt, Jörg Depta, Dennis Depta, Julia Baumann, Soner Ipekcioglu, Lara Deininger (von links nach rechts)

 

Die Revue „La Haine“ folgt einer Spur zur Rolle des Hasses in unserer Gesellschaft. Zugrunde liegt die Annahme, dass die Natur des Menschen die eines „Hasswesens“ sei und so wird der/die ZuschauerIn durch eine Reihe von Situationen geführt, in denen Hass die dominierende Kraft ist. Wir werden Zeuge, wie Menschen aufgrund geringerer Fähigkeiten, Geschlecht oder anderer Religion erniedrigt werden. Wir sehen, wie sie sich zerstören und gegeneinander in den Krieg ziehen. Und das oft auf eine Art und

 

Weise, die unterhalten möchte – schließlich sind wir immer noch in einer Revue. Am eindrucksvollsten war jedoch die Szene, die dem Zuschauer als frei von Hass angekündigt wurde. Das Resultat: viereinhalb Minuten Stille, in der die Schauspielerinnen auf der Bühne in einer Reihe stehen, ineinander eingehakt und sich gelegentlich daran erinnernd lächeln zu müssen. Langeweile und Unbehagen also. Aber muss ein hassfreier Raum sich so anfühlen? Und wie könnten wir überhaupt für die Entstehung eines hassfreien Raumes sorgen?

 

Ersteres muss jeder für sich beantworten, aber viele werden diese Frage wohl entschieden verneinen. Der zweiten Frage wurde im Anschluss an die Revue in einer Podiumsdiskussion nachgegangen. Moderiert wurde diese von Kerstin Reichelt von Theaterscoutings Berlin und Lara Deininger, der Produzentin der Revue. Auf dem Podium waren glanz&krawall-Dramaturg Dennis Depta, Radiotrainer und Journalist Jörg Depta, unsere stellvertretende IBBIS-Vorsitzende Julia Baumann und Soner Ipekcioglu, ehemaliges Mitglied im Organisationsteam des Kreuzberger „MyFest“s. Sie alle haben Erfahrungen mit Bereichen, in denen Aggressoren Situationen verschärfen. Jörg Depta ist mittlerweile darauf spezialisiert, Gemeinden in Südbrandenburg im Umgang mit Rechtsextremen zu beraten und Soner Ipekcioglu sieht es als wichtiges Ziel des MyFest, am 1. Mai durch friedliches Feiern deeskalierend bei der Konfrontation zwischen Linksautonomen und Polizei zu wirken.

 

Das MyFest ist ein Beispiel, bei dem ganz konkret ein Raum geöffnet wurde, um Hass die Stirn zu bieten. Soner sprach hier von „zurückerobern“ und dies schien auch die Stimmung des Publikums wiederzugeben. Man bekam den Eindruck, dass für viele Hass mittlerweile zu viel Raum in der Gesellschaft eingenommen hat. Noch immer – und das wurde bei den Schilderungen sowohl auf dem Podium, als auch aus dem Publikum deutlich – ist Rassismus ein tief verankerter Teil des Alltags und davon wird sich kaum jemand ausnehmen können. Ein wichtiger Hinweis darauf kam von Soner, der dazu aufforderte, sich bewusst zu fragen, wie viele türkisch- oder arabischstämmige Menschen im eigenen Freundeskreis zu finden sind. Ein Teilnehmer erwiderte darauf, dass es ja nicht weniger rassistisch sei, gezielt nach solchen Freundschaften zu suchen. Der Einwand ist nicht unberechtigt, doch die eigentliche, daran anschließende, Frage lautet: Wie kommt es eigentlich, dass wir solche Freundschaften suchen müssen und nicht einfach finden können? Wie kommt es, dass es so wenig Raum gibt, an dem tatsächlich eine tiefer gehende Begegnung stattfindet? Was können wir dagegen tun, dass viele Schnittstellen derzeit mit Hass besetzt sind?

 

IBBIS wählt dazu teilweise selbst einen künstlerischen Ansatz, wie Julia Baumann erzählt, und zwar in etwa Form von Filmprojekten. Hier, wie auch bei anderen Plattformen, soll es um eine stark personalisierte, individuelle Begegnung gehen, die ein Lösen von Rollenbildern ermöglicht. Laut Jörg Depta seien solche Begegnungen dann sinnvoll, wenn Menschen aufeinander träfen, die etwas voneinander erfahren möchten. Sofern eine Partei zu stark ideologisch vorgeprägt sei, stünden die Chancen für ein aufrichtiges Gespräch oder auch womögliche Veränderung der eigenen Haltung schlecht.

 

So haben wir viele Impulse an diesem Abend bekommen und sind mit der Gewissheit nach Hause gegangen, dass eine offene Begegnung unbedingt stattfinden muss, damit ein konstruktiver, interkultureller Austausch gefördert wird!

 

IBBIS bemüht sich weiterhin diese Räume für Begegnungen und Teilhabe zu schaffen, nicht nur in speziellen Projekten, sondern etwa auch in Diskussionsveranstaltungen. 

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