Wiedersehen in Bad Belzig und Kuhlowitz

March 2, 2017

Die Geburtsstunde von IBBIS ist das Filmprojekt mensch. human., in dem Geflüchtete davon berichten, was sie zur Flucht nach Deutschland bewegt hat, wie es ihnen hier geht und was sie sich für die Zukunft wünschen. Die langen und zahlreichen Gespräche nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera haben gezeigt, dass es insbesondere in ländlichen Regionen, wo Geflüchtete oft am Rand oder außerhalb von besiedelten Gebieten leben, noch viel Handlungsbedarf gibt, damit Integration gelingen kann.

 

Wir sind froh, dass der Kontakt zu vielen Teilnehmern auch über den Dreh hinaus erhalten geblieben ist und sind vor kurzem nochmal nach Bad Belzig und Kuhlowitz in Brandenburg gefahren, wo die meisten von ihnen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Ihre Situation hatte sich leider nicht verbessert. Die Sorgen, von denen uns berichtet wurde, reichten von der fehlenden Möglichkeit eines Internetzugangs in der Unterkunft bis hin zu existenziell bedrohlichen Ablehnungsbescheiden der Asylanträge, von denen zur Zeit so viele afghanische und auch Flüchtlinge aus anderen Herkunftsländern in Deutschland betroffen sind. Gleichzeitig blieben glücklicherweise auch die positiven Elemente aus früheren Begegnungen erhalten: Wiedersehensfreude, Gastfreundschaft und Berichte über absolvierte Praktika und bestandene Deutschprüfungen.

 

Unsere Besuche in Bad Belzig und Kuhlowitz haben uns abermals klar gemacht, dass die Integration von nach Deutschland geflüchteten Menschen ohne eine starke gesellschaftliche Unterstützung derzeit nicht möglich ist. Die Politik signalisiert ihre Überforderung durch den Türkei-Deal, die Schließung der Balkanroute und die unvorstellbar zahlreichen Ablehnungen von Asylanträgen, ohne Rücksicht darauf, dass der einfachste Weg nicht immer auch der richtige ist. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung erklärt sich mit den Schicksalen der hier Schutzsuchenden solidarisch und viele Aufgaben wurden der Politik durch ehrenamtliches Engagement leichter gemacht. Ehrenamtliche unterstützen den Integrationsprozess, indem sie Patenschaften oder Vormundschaften übernehmen, bei Wohnungssuche und Behördengängen helfen, Deutsch unterrichten oder Hausaufgabenhilfe geben, Kinder betreuen, Ausflüge organisieren, gemeinsam Freizeit gestalten oder einfach Fremde zu Freunden werden lassen. 

 

Wir möchten hierzu speziell im ländlichen Raum Brandenburgs weitere Möglichkeiten schaffen und uns durch Öffentlichkeitsarbeit für eine Politik einsetzen, die diese Arbeit ernst nimmt und zu schätzen weiß. Derzeit fürchten sich nicht nur viele Schutzsuchende, sondern auch deren Paten vor einem Ablehnungsbescheid. Ohne Zweifel besteht aber die wichtigste Aufgabe derzeit darin, Anwälte zu vermitteln und Gelder für Prozesskosten zu sammeln, damit weitere Abschiebungen in unsichere Gebiete verhindert werden.

 

 

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